Mittwoch, 17. Juni 2015

Mercuroth blickte hinauf in den dunklen Nachthimmel.
Er war in seinen Gedanken versunken. Allein. So wie er es mochte.
Seit Tagen schon marschierten sie einem Ziel entgegen, von dessen Existenz er noch nicht einmal überzeugt war. Natürlich hatte auch er die Druckwelle gespürt, von der Angroth redete. Doch Druckwellen können durch vieles entstehen. Eher fiel es ihm auf, dass der Boden von Tag zu Tag matschiger wurde. Dass die Tiere starben und die Bäume schimmelten. Doch all das war Angroth egal. Er wollte nur dieses “Artefakt“.
Seit Stunden schon wartete er vor dem Haus. Wenigstens hatten diesmal ein Teil der Dorfbewohner kooperiert.
Diese Woche hatten sie schon zwei Dörfer überfallen. Minimale Verluste. Trotzdem sah er nicht den Zweck dahinter. Angroth hat doch seine Karte. Was will er mehr?
Laute Schreie ertönten aus dem Haus.

Mercuroth zuckte schon lange nicht mehr. Seit Stunden schon hörte er sie... die Schreie, das Flehen und das Weinen.

Angroth sah ihn an. „Was ist hier denn los?“ Mercuroth blickte noch immer in den Himmel. „Zael ist noch immer im Haus.“ Angroth schüttelte den Kopf. „Was macht er da nur?... Wir müssen weiter. Holst du ihn da raus?“ Mercuroth wandte seinen Blick zu Angroth. „Ich versuchte es bereits. Er hört nicht auf mich.“ „Dann geh ich rein.“ Angroth zog sein Schwert aus der Scheide. Langsam öffnete er die Tür und trat in das Haus ein. Es dauerte etwas bis er ihn fand, doch nun sah er ihn. Auf dem Boden lagen zwei Leichen. Eine Frau und ein Mann. Ihre Körper verunstaltet. Blut an den Wänden. Am Ende des Raums war sein Bruder der sich über eine dritte Leiche die er sehr genau inspizierte beugte. Angroth hob sein Schwert. „Bruder?“ Der Mann am Ende des Raums reagierte nicht. Stattdessen, zog er mit einer schnellen Handbewegung etwas langes aus der Leiche und ließ es neben ihm auf den Boden fallen. „Zael... wir müssen los.“ Angroth wusste nicht, an was für einer Leiche sein Bruder “arbeitete“, doch er ahnte schon was es war. Mit einem Ruck fiel ein weiteres Organ neben Zael auf den Boden. Diesmal war es kleiner. Als Angroth näher kam sah er, dass seine Befürchtungen berechtigt waren. Die Leiche über der sein Bruder war, war kleiner und magerer als die beiden anderen. Zael riss ein letztes mal etwas aus der kleinen Leiche heraus. Er hielt sich das Herz des Kindes über seinen Kopf... und zerdrückte es.
Die Mischung aus Blut und Adern tropfte auf seinen, bereits Blutverschmierten Helm. „Bruder...“ Zaels kalte Stimme ließ Angroth noch immer gefrieren. „Du weißt doch, dass ich so eine Gelegenheit nicht einfach so ignorieren kann.“ Zael richtete sich auf, so dass Angroth die ganze Leiche sehen konnte. Seinem verbleibenden Gesicht nach war es ein Junge zwischen zehn und elf Jahren. Angroth schüttelte den Kopf als Zael zu ihm sprach. „All dieses Blut. Ein wundervoller Tribut für den Blutgott.“ „Wir müssen los! Die anderen sind bereit.“ Angroth steckte sein Schwert wieder in die Scheide. „Ich hörte ein paar der Dorfbewohner haben sich uns angeschlossen... stimmt das?“ Zael nahm seine Axt aus der Leiche der Frau. „Wenn du willst, kann ich mich um die die dir nicht gefallen... kümmern.“ Angroth ignorierte diesen Satz und ging aus dem Haus.

Ihr werdet mir dienen. Bei jeglichen Fragen werdet ihr den Hunden verfüttert.“ Angroth streichelte seinen Hund und wendete sich wieder den Dorfbewohnern zu. „Wenn ihr auch nur daran denkt uns zu verraten, wird euch ein schlimmeres Schicksal zuteil, als das eurer Familien. Wir werden euch Waffen geben mit denen ihr euch verteidigen könnt, im Gegenzug werdet ihr all die Nahrungsvorräte aus eurem Dorf schleppen.“ Eine kleine Gruppe Barbaren trat neben Angroth. „Das hier ist Mangar.“ Der größte der Barbaren nickte und trat hervor.
Er wird euch leiten. Wenn ich oder Mercuroth nicht da sind, hat er das Kommando. Falls ihr Training im Umgang mit der Waffe braucht, meldet euch bei ihm. Er wird euch die einfachsten Attacken mit dem Flegel zeigen.“ Der Anführer der Bande drehte sich um und ging mit seinem Hund zu seinen Kriegern. Mangar schaute sich die Bauern noch einmal genauer an. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben eine Waffe in die Hand. „Herhören! Von heute an beginnt ein neues Leben für euch. Versteht mich nicht falsch, ich kann verstehen wie viel ihr in der heutigen Nacht verloren habt. Doch ab jetzt ist das Vergangenheit. Wenn ihr einfach das tut was man von euch verlangt, werdet ihr es gut durchstehen können. Nun also... diejenigen die Hilfe bei der Führung eines Flegels brauchen mögen bitte vortreten.“ Als gut drei viertel der Dorfbewohner vortrat, verschlug es ihm für einen Moment die Sprache. „Bei den Göttern.“

Angroth trat zu seinen Männern. Mercuroth war der erste der ihn sah. „Bruder, wohin geht es jetzt?“ „Wir werden weiter gen Norden gehen. Zumindest sagt die Karte mir das.“ Mercuroth richtete sich von dem morschen Baumstumpf auf auf dem er saß. „Nun, mir ist klar dass du einen klaren Weg vor Augen hast aber weshalb genau plündern wir Dörfer?“ Angroth reagierte unerwartet gelassen auf seine Frage. „Wir brauchen mehr Männer wenn wir es mit dem Dämonen aufnehmen wollen. Und da ist noch etwas.“ „Aber Bruder, du sagtest der Dämon wäre nicht bei seinem Schwert.“ Angroth blickte in die Gruppe an Kriegern. Er blickte auf Zael. Zael hatte seine Rüstung noch immer nicht von den Dienern waschen lassen, sie war also noch immer voller getrocknetem Blut. „Zael ist in letzter Zeit etwas...anders. Mir ist klar, dass er an den Blutgott glaubt, jedoch hat es sich in letzter Zeit verschlimmert.“ „Zael geht es gut. Nun, so gut wie es einem wie ihm gehen kann.“ „So meinte ich das nicht. Er erzählte mir, dass er in seinem Traum etwas merkwürdiges gesehen hatte. Er sagte es sah aus wie ein Dorf. Nur war es nicht voll mit Menschen. Er sagte er konnte sehen wie Zerfleischer des Blutgottes das Dorf überrannten. Ich denke das ist ein Zeichen.“ Mercuroth glaubte den Worten seines Anführers nicht. „du willst mir nicht sagen, dass du glaubst was Zael sagt.“ Angroth schaute wieder zu Mercuroth. „Ich respektiere ihn wie jeden anderen meiner Brüder. Und ich denke, dass es nicht abwegig ist dass Dämonen sich auch auf den Weg zum Schwert machen.“ Angroth verabschiedete sich von seinem Bruder und ging in sein Zelt.

Zael saß vor den Zelten seiner Brüder und schärfte seine blutbefleckte Axt.Er wusste, dass die Zeit gekommen war. Der Blutgott hatte ihn schon lange beobachtet. Er hatte gesehen wie er in seinem Namen Leben nahm, wie er in seinem Namen das Blut seiner Opfer trank. Wie er ihm Schädel lieferte.
Er liebte es, das Blut seiner Opfer an seinem Körper zu haben. Er liebte den Geruch.
Die ganze Nacht lang saß er nun vor den Zelten seiner Brüder. Er selbst wollte keins. Geschlafen hatte er schon seit Wochen nicht mehr. Wie denn auch, wenn es doch jetzt endlich die Zeit war um...

Zael?“ Der Berserker schreckte auf und blickte auf einen ruhigen Mercuroth.
Was willst du?“ Es war noch mitten in der Nacht. „Du weißt, dass du nicht als Nachtwache stationiert bist? Du solltest schlafen gehen.“ Zael schüttelte den Kopf. „Nein... das kann ich nicht. Nicht jetzt.“ Mercuroth setzte sich neben ihn auf den schimmligen Baumstumpf. „Zael ich muss dich etwas fragen.“ Der Geruch des alten Blutes motivierte Mercuroth dazu ein paar Zentimeter von Zael wegzurücken. „Stimmt es, dass du Dämonen gesehen hast.“ Zael drehte seinen Kopf etwas schräg. „Hast du...Angst Mercuroth?“ Er klang mehr amüsiert als interessiert. Mercuroth schüttelte den Kopf. „Nein, es ist nur wichtig, dass wir wissen gegen was wir antreten. Ich befürchte bei Dämonen sollten wir mehr als nur ein paar Bauern als Antwort haben.“ Zael musste lachen. Vielleicht hatte er aber auch nur einen Anfall. Das wusste man bei ihm nie genau. „Mercuroth, Bruder, ich bin mir sicher, dass Angroth ganz genau weiß was wir brauchen.“ Zael legte seine Hand auf Mercuroths Schulter.
Und außerdem...“
Sein Satz wurde unterbrochen als plötzlich ein Rudel hungriger Wölfe aus den Büschen sprang. Die beiden erfahrenen Krieger zögerten nicht lang und zogen ihre Waffen. Als Mercuroth seine Axt über seinen Kopf hob konnte er hören wie Zael etwas nuschelte. „Blut für den Blutgott. Schädel für den Schädelthron.“ Mercuroth verdrehte die Augen doch entschied sich nichts zu sagen. Beide von ihnen rannten dem Rudel entgegen.
Wenige Minuten später lagen ein dutzend tote Wölfe auf dem Boden.

Was zum...“ Mercuroth traute seinen Augen kaum als aus den Kadavern der Wölfe langsam Würmer an die Oberfläche kamen. Zael schaute sich die Hunde genauer an. „Ich bin ja nicht allzu gut mit Tieren aber ich würde sagen, dass das bei Wölfen nicht normal ist.“ Mercuroth nickte langsam und packte seine Axt wieder auf seinen Rücken. „Wir können hier nicht mehr lange bleiben. Ich sage Angroth bescheid. Wir müssen weiter.“

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