Mercuroth
blickte hinauf in den dunklen Nachthimmel.
Er
war in seinen Gedanken versunken. Allein. So wie er es mochte.
Seit
Tagen schon marschierten sie einem Ziel entgegen, von dessen Existenz
er noch nicht einmal überzeugt war. Natürlich hatte auch er die
Druckwelle gespürt, von der Angroth redete. Doch Druckwellen können
durch vieles entstehen. Eher fiel es ihm auf, dass der Boden von Tag
zu Tag matschiger wurde. Dass die Tiere starben und die Bäume
schimmelten. Doch all das war Angroth egal. Er wollte nur dieses
“Artefakt“.
Seit
Stunden schon wartete er vor dem Haus. Wenigstens hatten diesmal ein
Teil der Dorfbewohner kooperiert.
Diese
Woche hatten sie schon zwei Dörfer überfallen. Minimale Verluste.
Trotzdem sah er nicht den Zweck dahinter. Angroth hat doch seine
Karte. Was will er mehr?
Laute
Schreie ertönten aus dem Haus.
Mercuroth
zuckte schon lange nicht mehr. Seit Stunden schon hörte er sie...
die Schreie, das Flehen und das Weinen.
Angroth
sah ihn an. „Was ist hier denn los?“ Mercuroth blickte noch immer
in den Himmel. „Zael ist noch immer im Haus.“ Angroth schüttelte
den Kopf. „Was macht er da nur?... Wir müssen weiter. Holst du ihn
da raus?“ Mercuroth wandte seinen Blick zu Angroth. „Ich
versuchte es bereits. Er hört nicht auf mich.“ „Dann geh ich
rein.“ Angroth zog sein Schwert aus der Scheide. Langsam öffnete
er die Tür und trat in das Haus ein. Es dauerte etwas bis er ihn
fand, doch nun sah er ihn. Auf dem Boden lagen zwei Leichen. Eine
Frau und ein Mann. Ihre Körper verunstaltet. Blut an den Wänden. Am
Ende des Raums war sein Bruder der sich über eine dritte Leiche die
er sehr genau inspizierte beugte. Angroth hob sein Schwert. „Bruder?“
Der Mann am Ende des Raums reagierte nicht. Stattdessen, zog er mit
einer schnellen Handbewegung etwas langes aus der Leiche und ließ es
neben ihm auf den Boden fallen. „Zael... wir müssen los.“
Angroth wusste nicht, an was für einer Leiche sein Bruder
“arbeitete“, doch er ahnte schon was es war. Mit einem Ruck fiel
ein weiteres Organ neben Zael auf den Boden. Diesmal war es kleiner.
Als Angroth näher kam sah er, dass seine Befürchtungen berechtigt
waren. Die Leiche über der sein Bruder war, war kleiner und magerer
als die beiden anderen. Zael riss ein letztes mal etwas aus der
kleinen Leiche heraus. Er hielt sich das Herz des Kindes über seinen
Kopf... und zerdrückte es.
Die
Mischung aus Blut und Adern tropfte auf seinen, bereits
Blutverschmierten Helm. „Bruder...“ Zaels kalte Stimme ließ
Angroth noch immer gefrieren. „Du weißt doch, dass ich so eine
Gelegenheit nicht einfach so ignorieren kann.“ Zael richtete sich
auf, so dass Angroth die ganze Leiche sehen konnte. Seinem
verbleibenden Gesicht nach war es ein Junge zwischen zehn und elf
Jahren. Angroth schüttelte den Kopf als Zael zu ihm sprach. „All
dieses Blut. Ein wundervoller Tribut für den Blutgott.“ „Wir
müssen los! Die anderen sind bereit.“ Angroth steckte sein Schwert
wieder in die Scheide. „Ich hörte ein paar der Dorfbewohner haben
sich uns angeschlossen... stimmt das?“ Zael nahm seine Axt aus der
Leiche der Frau. „Wenn du willst, kann ich mich um die die dir
nicht gefallen... kümmern.“ Angroth ignorierte diesen Satz und
ging aus dem Haus.
„Ihr
werdet mir dienen. Bei jeglichen Fragen werdet ihr den Hunden
verfüttert.“ Angroth streichelte seinen Hund und wendete sich
wieder den Dorfbewohnern zu. „Wenn ihr auch nur daran denkt uns zu
verraten, wird euch ein schlimmeres Schicksal zuteil, als das eurer
Familien. Wir werden euch Waffen geben mit denen ihr euch verteidigen
könnt, im Gegenzug werdet ihr all die Nahrungsvorräte aus eurem
Dorf schleppen.“ Eine kleine Gruppe Barbaren trat neben Angroth.
„Das hier ist Mangar.“ Der größte der Barbaren nickte und trat
hervor.
„Er
wird euch leiten. Wenn ich oder Mercuroth nicht da sind, hat er das
Kommando. Falls ihr Training im Umgang mit der Waffe braucht, meldet
euch bei ihm. Er wird euch die einfachsten Attacken mit dem Flegel
zeigen.“ Der Anführer der Bande drehte sich um und ging mit seinem
Hund zu seinen Kriegern. Mangar schaute sich die Bauern noch einmal
genauer an. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch nie in ihrem
Leben eine Waffe in die Hand. „Herhören! Von heute an beginnt ein
neues Leben für euch. Versteht mich nicht falsch, ich kann verstehen
wie viel ihr in der heutigen Nacht verloren habt. Doch ab jetzt ist
das Vergangenheit. Wenn ihr einfach das tut was man von euch
verlangt, werdet ihr es gut durchstehen können. Nun also...
diejenigen die Hilfe bei der Führung eines Flegels brauchen mögen
bitte vortreten.“ Als gut drei viertel der Dorfbewohner vortrat,
verschlug es ihm für einen Moment die Sprache. „Bei den Göttern.“
Angroth
trat zu seinen Männern. Mercuroth war der erste der ihn sah.
„Bruder, wohin geht es jetzt?“ „Wir werden weiter gen Norden
gehen. Zumindest sagt die Karte mir das.“ Mercuroth richtete sich
von dem morschen Baumstumpf auf auf dem er saß. „Nun, mir ist klar
dass du einen klaren Weg vor Augen hast aber weshalb genau plündern
wir Dörfer?“ Angroth reagierte unerwartet gelassen auf seine
Frage. „Wir brauchen mehr Männer wenn wir es mit dem Dämonen
aufnehmen wollen. Und da ist noch etwas.“ „Aber Bruder, du
sagtest der Dämon wäre nicht bei seinem Schwert.“ Angroth blickte
in die Gruppe an Kriegern. Er blickte auf Zael. Zael hatte seine
Rüstung noch immer nicht von den Dienern waschen lassen, sie war
also noch immer voller getrocknetem Blut. „Zael ist in letzter Zeit
etwas...anders. Mir ist klar, dass er an den Blutgott glaubt, jedoch
hat es sich in letzter Zeit verschlimmert.“ „Zael geht es gut.
Nun, so gut wie es einem wie ihm gehen kann.“ „So meinte ich das
nicht. Er erzählte mir, dass er in seinem Traum etwas merkwürdiges
gesehen hatte. Er sagte es sah aus wie ein Dorf. Nur war es nicht
voll mit Menschen. Er sagte er konnte sehen wie Zerfleischer des
Blutgottes das Dorf überrannten. Ich denke das ist ein Zeichen.“
Mercuroth glaubte den Worten seines Anführers nicht. „du willst
mir nicht sagen, dass du glaubst was Zael sagt.“ Angroth schaute
wieder zu Mercuroth. „Ich respektiere ihn wie jeden anderen meiner
Brüder. Und ich denke, dass es nicht abwegig ist dass Dämonen sich
auch auf den Weg zum Schwert machen.“ Angroth verabschiedete sich
von seinem Bruder und ging in sein Zelt.
Zael
saß vor den Zelten seiner Brüder und schärfte seine blutbefleckte
Axt.Er wusste, dass die Zeit gekommen war. Der Blutgott hatte ihn
schon lange beobachtet. Er hatte gesehen wie er in seinem Namen Leben
nahm, wie er in seinem Namen das Blut seiner Opfer trank. Wie er ihm
Schädel lieferte.
Er
liebte es, das Blut seiner Opfer an seinem Körper zu haben. Er
liebte den Geruch.
Die
ganze Nacht lang saß er nun vor den Zelten seiner Brüder. Er selbst
wollte keins. Geschlafen hatte er schon seit Wochen nicht mehr. Wie
denn auch, wenn es doch jetzt endlich die Zeit war um...
„Zael?“
Der Berserker schreckte auf und blickte auf einen ruhigen Mercuroth.
„Was
willst du?“ Es war noch mitten in der Nacht. „Du weißt, dass du
nicht als Nachtwache stationiert bist? Du solltest schlafen gehen.“
Zael schüttelte den Kopf. „Nein... das kann ich nicht. Nicht
jetzt.“ Mercuroth setzte sich neben ihn auf den schimmligen
Baumstumpf. „Zael ich muss dich etwas fragen.“ Der Geruch des
alten Blutes motivierte Mercuroth dazu ein paar Zentimeter von Zael
wegzurücken. „Stimmt es, dass du Dämonen gesehen hast.“ Zael
drehte seinen Kopf etwas schräg. „Hast du...Angst Mercuroth?“ Er
klang mehr amüsiert als interessiert. Mercuroth schüttelte den
Kopf. „Nein, es ist nur wichtig, dass wir wissen gegen was wir
antreten. Ich befürchte bei Dämonen sollten wir mehr als nur ein
paar Bauern als Antwort haben.“ Zael musste lachen. Vielleicht
hatte er aber auch nur einen Anfall. Das wusste man bei ihm nie
genau. „Mercuroth, Bruder, ich bin mir sicher, dass Angroth ganz
genau weiß was wir brauchen.“ Zael legte seine Hand auf Mercuroths
Schulter.
„Und
außerdem...“
Sein
Satz wurde unterbrochen als plötzlich ein Rudel hungriger Wölfe aus
den Büschen sprang. Die beiden erfahrenen Krieger zögerten nicht
lang und zogen ihre Waffen. Als Mercuroth seine Axt über seinen Kopf
hob konnte er hören wie Zael etwas nuschelte. „Blut für den
Blutgott. Schädel für den Schädelthron.“ Mercuroth verdrehte die
Augen doch entschied sich nichts zu sagen. Beide von ihnen rannten
dem Rudel entgegen.
Wenige
Minuten später lagen ein dutzend tote Wölfe auf dem Boden.
„Was
zum...“ Mercuroth traute seinen Augen kaum als aus den Kadavern der
Wölfe langsam Würmer an die Oberfläche kamen. Zael schaute sich
die Hunde genauer an. „Ich bin ja nicht allzu gut mit Tieren aber
ich würde sagen, dass das bei Wölfen nicht normal ist.“ Mercuroth
nickte langsam und packte seine Axt wieder auf seinen Rücken. „Wir
können hier nicht mehr lange bleiben. Ich sage Angroth bescheid. Wir
müssen weiter.“
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